Jahresbericht 2008
Jahresbericht 2008
Das Berichtsjahr 2008 stand vorrangig im Zeichen der Förderung der Bildung Jugendlicher in der
Region Hatay.
Die im September 2007 unternommenen Bemühungen um die Unterstützung beim Bau einer
Seilbahn von der Kirche St. Pierre zur Zitadelle oberhalb Antakyas waren zum Jahresbeginn ins
Stocken geraten, und Mitte 2008 wurden die Pläne vorerst zurückgestellt. Trotz intensiven
Einsatzes der Stadtverwaltung Antakya, der IHK Antakya und des Fördervereins Antikes Antiochia
e.V., durch diese Baumaßnahme zwei eng miteinander verbundene Zeugnisse mehr als
zweitausendjähriger interreligiöser Geschichte aus ihrer Isolation zu reißen und insbesondere für
die kirchlich organisierten Studienreisen leichter zugänglich zu machen, ist das Vorhaben leider
gescheitert.
Die auch schon Ende 2007 in Angriff genommene und am 19. April 2008 schließlich veranstaltete
Wohltätigkeits-Gala unter dem Motto “Wir fördern Bildung” war dagegen ein großer Erfolg, der die
Erwartungen an diese erstmalige Veranstaltung des Vereins noch übertraf. Z
el der WohltätigkeitsGala war die Förderung von Abiturienten mit herausragenden schulischen Leistungen, die
aufgrund ihrer besonderen Begabung zum Studium ermuntert werden sollten, den Weg zur
Universität jedoch ohne finanzielle Hilfe nicht hätten gehen können. Die Veranstaltung wurde von
mehr als hundert zahlenden Gästen besucht und erbrachte nach Abzug aller Kosten noch
€2.100,00, die für die Stipendien zur Verfügung gestellt werden konnten. Insgesamt konnte der
Verein sechs Stipendien in Höhe von jeweils €600,00 vergeben. Empfänger dieser Stipendien
waren drei junge Frauen und drei junge Männer aus Antakya und Iskenderun. Im August 2008
fand die Aushändigung der Stipendien an die sechs ausgewählten förderungswürdigen und –
bedürftigen jungen Menschen statt. Sie wurde jeweils im Rathaus von Antakya bzw. Iskenderun
im Beisein des Bürgermeisters durch den Vorsitzenden des Vorstands Nihat Sorgeç und die
Schatzmeisterin Süreyya Inal des Fördervereins Antikes Antiochia e.V. vorgenommen. Das Projekt
“Wir fördern Bildung” wird jährlich fortgeführt. Die diesjährige Gala-Veranstaltung ist für den
Herbst geplant.
Am 15. Juni 2008 war der Bürgermeister der Stadt Antakya, Mehmet Yeloğlu, wieder Gast des
Fördervereins in Berlin. Im Rahmen des ihm zu Ehren vom Vorstandsvorsitzenden des Vereins
Nihat Sorgeç im BWK BildungsWerk Kreuzberg veranstalteten Empfangs fand eine Begegnung
zwischen dem Bürgermeister und verschiedenen türkischstämmigen Abgeordneten des
Abgeordnetenhauses und des Bundestags statt, die eine Einladung der Parlamentarier nach
Antakya nach sich zog. Nach organisatorischer Unterstützung durch den Vorstandsvorsitzenden
Nihat Sorgeç kam die Reise nach Urfa und Antakya noch im Oktober 2008 zustande. Die
Parlamentarier nutzten die Gelegenheit, sich über die aktuelle wirtschafts-, sozial- und
bildungspolitische Situation der multikulturellen und multireligiösen Stadt Antakya vor Ort zu
informieren und Kontakte auf politischer und Verwaltungs-Ebene zu knüpfen.
Noch vor der Gruppe der türkischstämmigen Parlamentarier besuchte eine Delegation deutscher
Unternehmer die südtürkischen Städte Gaziantep, Antakya und Adana.
Diese Reise wurde initiiert und begleitet vom Vorstandsvorsitzenden des Vereins, der zugleich Vizepräsident
der TürkischDeutschen IHK (TD-IHK) ist, und diente u.a. der Kontaktaufnahme zur IHK Antakya und der
Eruierung möglicher Kooperations- und Investitionsformen zur Unterstützung der Wirtschaft in der
Region Hatay.
Ziel beider Reisen war neben Kontaktaufnahme und Information immer auch das Entwickeln eines
besonderen Bewusstseins für die kulturhistorische Bedeutung der Stadt Antakya und ihres
Umlands sowie einer Sensibilität für die durch die Jahrtausende gelebte friedliche Koexistenz
verschiedener Kulturen und Religionen mit all ihren Herausforderungen an die multikulturelle
Gesellschaft inmitten einer Welt dogmatischer Heils- und Wahrheitsverkündigungen. Nur mit dem
Wissen um unser kulturgeschichtliches Erbe und der Fähigkeit, fremde wie eigene Traditionen,
Glaubensrichtungen und soziale Regeln gleichermaßen zu respektieren, ist Multikulturalität
möglich.
Wie lebensfeindlich monokulturelle Strukturen sein können, zeigt das Schicksal eines
Gastarbeiters namens Sabri Boğday aus Antakya in der saudiarabischen Stadt Dschidda, mit dem
der Förderverein Antikes Antiochia e.V. sich ebenfalls 2008 beschäftigte: der Mann war Ende 2007
der Gotteslästerung bezichtigt und zum Tod durch das Schwert verurteilt worden. Nachdem der
Verein Kenntnis von dem Fall erhalten hatte, wandte er sich -wie viele andere- schriftlich an die
saudische Botschaft mit der Bitte um Aufhebung des Urteils. Sabri Boğday ist im Januar dieses
Jahres freigesprochen und in die Türkei ausgeflogen worden.
Multikulturelle und religiöse Themen und Aktivitäten werden selbstverständlich auch 2009 die
Arbeit des Vereins prägen.
(Ingrid Döring)

